Wir wissen es – und ihr wisst es ebenfalls: Metal ist nicht nur ein einziges Musikgenre, sondern ein ganzes Universum aus Genres, Subgenres und Spielarten. Alle haben ihren Platz auf den Bühnen des Mystic Festival. Ihr wisst auch, dass wir in die Werft Künstler einladen, die keinen Metal spielen, mit denen uns jedoch eine geistige Verwandtschaft verbindet. Heute begrüßen wir Carpenter Brut, A.A. Williams, Priest und Kent Osborne.
Carpenter Brut
Franck Hueso hat sein Projekt nicht ohne Grund Carpenter Brut genannt: Einerseits verneigt er sich vor John Carpenter, dem Schöpfer kultiger Horrorfilme und ebenso unheimlicher Soundtracks, andererseits bezieht er sich auf Champagner – ein trockenes und edles Getränk. Natürlich französisch, denn in Carpenter Brut hört man unschwer einen Erben des Synthwave und Electro von der Seine, einen jüngeren, düstereren Bruder von Justice. Ein unverzichtbarer Bestandteil dieser originellen Konstruktion ist auch der Metal – sein Sound ebenso wie seine visuelle und kulturelle Aura. Kein Wunder also, dass Carpenter Brut gerade in der Metal-Welt seine treuesten Fans und ausdauerndsten Tänzer rekrutiert. Ja, der Metal-Kodex erlaubt nicht nur das Tanzen auf Konzerten von Carpenter Brut – obwohl es überwältigende visuelle Spektakel sind, sieht er strenge Strafen für jene vor, die nur stehen und zuschauen.
A.A. Williams
Nach dem 2020 erschienenen Debütalbum Forever Blue wurde A.A. Williams zwar mit Chelsea Wolfe und PJ Harvey verglichen, doch niemand hatte Zweifel daran, dass die Künstlerin aus London ihren eigenen Weg durch Traurigkeit und Dunkelheit geht. Und in ihrem ganz eigenen, gemächlichen Tempo – denn ihre Spezialität sind Balladen, die selbst die härtesten Herzen zerbrechen. Williams schöpft einerseits aus Rock und Metal, andererseits hört man deutlich ein aus der Klassik stammendes Formbewusstsein sowie die raue Wahrheit des Folk. Einer ihrer Songs trägt den Titel „Alone in the Deep“ – und genauso werdet ihr euch auf diesem Konzert fühlen: allein, in der Tiefe … aber ihr werdet nicht zurückkehren wollen.
Priest
Das gothische Electro von Priest soll uns eine albtraumhafte, wenn auch unvermeidliche Reise der Menschheit in die nächste Evolutionsstufe versüßen – die Verschmelzung mit Maschinen. Fragt also nicht, wer sich hinter den Masken verbirgt, denn es sind eure eigenen Sehnsüchte und Ängste. Die schwedische Band wurde von ehemaligen Musikern der Gruppe Ghost gegründet und klingt wie deren Cyberpunk-Verwandter. Man hört deutlich einen ähnlichen Größenanspruch, das Talent für Refrains, die in den 80er Jahren die Charts und Diskotheken gestürmt hätten, aber auch eine perverse Hingabe an alles Dunkle. Dark Pulse ist nicht nur der Titel ihres neuesten Albums – es ist auch die treffendste Bezeichnung für diese Musik.
Kent Osborne
Im Titel seines Debütalbums proklamiert Kent Osborne den Tod der Musikgenres – und tatsächlich geht er mit ihnen gnadenlos um. Auf einem trapmetallischen Fahrgestell hat er ein gepanzertes Gefährt gebaut, in dem er Schrott aus Punk, Metal, Rap und Industrial zusammengeschweißt hat, um damit aus seinem Heimatort Nashville im US-Bundesstaat Tennessee aufzubrechen. Wohin? Wie in Mad Max rast er lachend dem Abgrund entgegen.