Mastodon, Bloodywood, Today Is The Day und Kanonenfieber repräsentieren verschiedene Kontinente, Generationen und Ästhetiken – doch auf dem Mystic Festival ist für sie alle Platz, denn es ist ein Fest für alles, was schwer ist.
Mastodon
Mastodon sind eine Bestie, die gnadenlos mit Skeptikern aufräumt, die behaupten, alles Gute im Metal sei im 20. Jahrhundert passiert. Schon ihre ersten Aufnahmen klangen anders. Auf „Lifesblood“ und „Remission“ dominierte noch viel Hardcore-Wut, die nach und nach progressiveren Visionen wich. Mit „Leviathan“, dem zweiten Album, kristallisierte sich der heutige Stil des Quartetts heraus, um auf „Crack the Skye“ (2009) seine Vollendung zu finden. Sie sind absolut zeitgenössisch und zugleich der Rocktradition mit Respekt verbunden. Man hört, dass sie das Feuer direkt von den Metal-Göttern erhalten haben – und dennoch sind sie unverwechselbar. Sie sind universell und durch und durch amerikanisch. Mastodon kehren zum Mystic Festival zurück – seid bereit.
Bloodywood
„Wir schlagen eine Brücke zwischen Ost und West“, versprachen Bloodywood im Text von „Ari Ari (Indian Street Metal)“, dem Song, der sie aus den Gassen Neu-Delhis auf die Bühnen der ganzen Welt brachte. Sie haben ihr Wort gehalten. Einerseits bauten sie ihren Stil auf amerikanischen Sounds auf, vor allem Nu Metal und Metalcore, andererseits ergänzten sie ihn durch das musikalische – und weiter gefasst: kulturelle – Erbe des Orients. Bloodywood haben eine absolut einzigartige künstlerische Identität entwickelt, die in diesem Jahr durch das reife und originelle Album „Nu Delhi“ unterstrichen wird.
Today Is The Day
Diejenigen, die Today Is The Day kennen, müssen wir nicht überzeugen. Es ist eine Legende der amerikanischen Szene, angeführt vom unermüdlichen Steve Austin. Eine Band, die nie wirklich populär war, weil sie kompromisslos ist und unerforschte Winkel von Metal, Industrial, Hardcore und Noise Rock auslotet. Ihr neuestes Album heißt „Never Give In“ – niemals aufgeben. Für Today Is The Day ist das nicht nur ein Titel, sondern eine Methode. Wer Today Is The Day nicht kennt, sollte wissen, dass kurz vor der Gründung der heute angekündigten Band Mastodon die Herren Brann Dailor und Bill Kelliher gemeinsam eben bei Today Is The Day spielten – was man deutlich hört, besonders in der frühen Phase der Bandgeschichte von Mastodon.
Kanonenfieber
Kanonenfieber ist ein durch und durch europäisches Projekt – sowohl im Klang als auch in seiner Verankerung in der blutigen Geschichte Europas. Konsequente Anonymität ist dabei ein Tribut der Musiker an die unbekannten Soldaten, deren Gräber den Alten Kontinent übersäen. Die Gruppe aus Bayern entstand mehr als hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, auf den sie sich bezieht, doch es gelang ihr, das Grauen jener Zeit perfekt zu kanalisieren. Schon mit dem Debüt „Menschenmühle“ machten Kanonenfieber auf sich aufmerksam, um mit dem letztjährigen „Die Urkatastrophe“ nachzulegen. Darf man – im Kontext ihres Schaffens – sagen, dass sie bei Konzerten keine Gefangenen machen?